Auf einigen Tannenzweigen, neben getrockneten Orangenscheiben und einigen Äpfeln liegen Spekulatius-Kekse.
Foto: © kakuko, Lizenz: Creative Commons CC0 1.0, Quelle: pixabay.com
Sie sind ein Klassiker zu Weihnachten: Spekulatius-Kekse.

Von Mühlen und dem heiligen Nikolaus: Spekulatius-Kekse

Sie gehören zum Advent, wie Lebkuchenherzen oder Stollen: Spekulatius-Kekse. Aber haben Sie sich schon einmal gefragt, woher sie ihren ausgefallenen Namen haben? Und warum immer die gleichen Motive in einer Packung sind? Wir verraten Ihnen spannende Fakten zu dem aromatischen Gebäck und geben Ihnen ein variables Rezept für die eigene Keksproduktion mit auf den Weg. Lesen Sie hier mehr!

Woher haben Spekulatius-Kekse ihren Namen?

Das flache, würzige Formgebäck mit verschiedenen, eingeprägten Figuren auf der Oberseite kennen wohl alle Deutschen. Doch seinen Ursprung hat die Leckerei scheinbar in den Niederlanden und Belgien. Während wir die Spekulatius bereits im frühen Herbst knuspern, werden die Kekse in ihrer eigentlichen Heimat zum Teil erst ab dem Nikolaustag vernascht. Grund dafür ist die tiefe Verbundenheit der Region mit dem Heiligen Nikolaus.

Tatsächlich ist eine der gängigsten Theorien, woher der Spekulatius-Keks seinen Namen hat, ebenfalls mit ihm verbunden. Demnach soll sich der Begriff nämlich von “speculator” ableiten, was so viel wie “Aufseher” heißt. Diese Bezeichnung wurde häufig auch für Bischöfe verwendet und galt als ein geläufiger Beiname des Heiligen Nikolaus.

Eine andere Überlegung zur Namensherkunft geht eher auf die Herstellung der Weihnachtsplätzchen ein. Demnach leitet sich der Spekulatius vom lateinischen “speculum” ab, was “Spiegel” bedeutet. Damit soll eine Verbindung zur spiegelförmigen Darstellung der verwendeten Backformen (auch Modeln genannt) gezogen werden. In diese presst man nämlich den Teig, so dass sie die bekannten, reliefartige Bilder gespiegelt eingeprägt bekommen.

In einer kleinen weißen Porzellan-Schale türmen sich Spekulatius-Kekse.

Foto: © pixel2013, Lizenz: Creative Commons CC0 1.0, Quelle: pixabay.com

Wieso heißen die Spekulatius-Kekse eigentlich so?

Warum die Mühlen oder: Spekulatiusformen kurz erklärt

Die erste Frage zu den würzigen Keksen haben wir also geklärt. Kommen wir nun zu der zweiten, fast noch öfter gestellten: Warum haben die Spekulatiuskekse immer die gleichen Formen? Das hat tatsächlich zum einen handwerkliche Gründe, zum anderen religiöse.

Modeln damals und heute

Um Spekulatius herzustellen, wird der Teig mit einer speziellen Form, Model genannt, geprägt. Diese bestanden früher noch aus Holz und wurden sehr kunstvoll von Hand geschnitzt. Das war natürlich sehr aufwendig, weswegen nicht ständig neue Bilder produziert werden konnten. Man beschränkte sich auf einige, ausgesuchte Motive.

Noch heute kann man solche Holzformen bekommen, es gibt aber auch Varianten aus Metall oder Kunststoff. Die Produktion dieser Modeln ist inzwischen natürlich deutlich einfacher geworden. Aber aus Traditionsgründen blieb man dennoch bei einem relativ kleinen Motiv-Repertoire.

Eine Holz-Form mit Mühlenmotiv liegt neben einem Stück Teig für Spekulatius.

Foto: © Turku Gingerbread, Lizenz: Creative Commons CC BY 2.0, Quelle: flickr.com

Um Spekulatius-Kekse zu gestalten, werden sogenannte Modeln verwendet.

Die Geschichte des Heiligen Nikolaus

Da man nur sehr wenige unterschiedliche Motive nutzen konnte, entschied man sich in den Niederlanden und Belgien für die zentrale Figur rund um die Spekulatius: den Heiligen Nikolaus. Dieser soll im 4. Jahrhundert nach Christus im griechisch-türkischen Raum gelebt und gewirkt haben und gilt als ein besonderer Wohltäter. In der katholischen Kirche war er beispielsweise der Schutzpatron der Seefahrt. Zudem sagte man ihm nach, dass er von Haus zu Haus ritt, um dort Geschenke zu verteilen.

Aus diesen Geschichten speisten sich die traditionellen Motive: Schiffe, Seefahrer, Pferde und Maultiere sowie auch der Heilige Nikolaus selbst. Wie aber passt hier die wohlbekannte Mühle hinein? Auch dafür sind die Niederländer verantwortlich. Denn da sich das würzige Weihnachtsgebäck weltweit immer bekannter wurde, wollten sie mit ihm auch ein Stück ihrer Heimat zeigen.

Mit der Zeit brach die stark religiöse Verknüpfung der Spekulatius-Kekse zudem immer weiter auf. Es hielten auch andere Motive Einzug auf dem Gebäck, so zum Beispiel Elefanten und Hunde, aber auch romantische Bauernhäuser. Ganz traditionell findet man aber in vielen fertigen Packungen immer noch die klassischen Bilder.

Auf einem weihnachtlich dekorierten Tisch steht ein Vorratsglas mit Gewürzspekulatius darin.

Foto: © kaboompics.com, Lizenz: Creative Commons CC0 1.0, Quelle: pexels.com

Es gibt viele unterschiedliche Arten von Spekulatius – der Gewürzspekulatius ist aber wohl am bekanntesten.

Spekulatius-Kekse herstellen – diese Arten gibt es

Wer schon einmal in einen Spekulatius gebissen hat, wird sich gewiss wohlig an die Knusprigkeit des Kekses zurückerinnern können. Diese entsteht durch den verwendeten Mürbeteig, welcher am besten bereits am Vortag geknetet wird. Er setzt sich traditionell aus Mehl, Zucker und Butter zusammen sowie verschiedenen Gewürzen bzw. Verfeinerungen. Die bekanntesten Keks-Varianten sind folgende:

  • Gewürzspekulatius. Der Keks wird gewürzt mit Kardamom, Gewürznelke und Zimt. Diese Sorte ist mit die bekannteste und galt früher als besonders kostbar, da die Zutaten teuer waren.
  • Mandelspekulatius. Er ist deutlich dezenter gewürzt. Hier wird das Mehl durch einen großen Anteil oder auch komplett durch Mandelmehl ersetzt. Zudem ist die Unterseite mit Mandelsplittern beschichtet.
  • Butterspekulatius. Diese Sorte hat ihren Namen durch den sehr großen Anteil Butter, der verwendet wird. Seine feine Aromatik ist besonders mild und lieblich.
  • Niederländische und belgische Spekulatius. Sie bestechen mit einem kräftigen Karamellaroma. Dieses entsteht durch die Zugabe von Zucker mit einem hohen Melasse-Anteil.

Von der Form sind Spekulatius, wie bereits erwähnt, in den meisten Fällen rechteckig und plattenförmig. Je dünner die Kekse sind, desto aufwendiger und hochwertiger gilt deren Herstellung. Traditionell unverzichtbar sind natürlich die Reliefbilder auf den kleinen Naschereien. Diese sind zu Hause nicht immer ganz leicht umsetzbar. Denn während in den professionellen Backstuben dafür extra Equipment vorhanden ist, fehlt das in der heimischen Küche gern einmal. Sie können sich zwar einzelne Spekulatiusformen kaufen oder auch spezielle Nudelhölzer, aber es geht auch anders – wie zeigen wir gleich!

Spekulatius-Kekse backen – 1 Rezept, 3 Varianten

Haben Sie jetzt Lust auf die würzigen Mürbeteigplätzchen bekommen? Dann wollen wir Ihnen zum Abschluss noch ein Rezept mit auf den Weg geben. Dieses ist wirklich ganz einfach zu Hause umsetzbar und braucht nicht einmal spezielle Spekulatiusformen. Lassen Sie sich überraschen!

Das brauchen Sie zum Backen

Das Besondere an unserem Rezept ist übrigens, dass wir Ihnen neben den Grundzutaten noch zwei Abwandlungen zeigen wollen, wie die Spekulatius auch ganz einfach vegan oder glutenfrei gebacken werden können. So kann wirklich jeder im Advent die leckeren Kekse genießen.

Zutaten:

  • 270 g Dinkelmehl
  • 150 g Rohrohrzucker
  • 1 Prise Salz
  • 2 TL Spekulatiusgewürz (Alternativ: je 1/2 TL Zimt, Nelke, Kardamom)
  • 1 Msp. Backpulver
  • 100 ml Milch
  • 100 g Butter
  • 200 g gehobelte Mandeln
  • etwas Mehl zur Teigverarbeitung

Um dieses Grundrezept zu veganisieren, müssen Sie einfach nur statt der Milch einen Pflanzendrink verwenden. Wir empfehlen entweder Soja- oder Mandelmilch zu verwenden. Die Butter lässt sich zudem ganz leicht durch Pflanzenmargarine ersetzen. Wenn Sie den Teig von Hand kneten, sollte diese übrigens möglichst kalt sein.

Suchen Sie nach einer glutenfreien Alternative, dann können Sie das Dinkelmehl 1:1 mit einer glutenfreien Mehlmischung ersetzen. Sie können aber auch mit gemahlenen Mandeln und z.B. Buchweizenmehl arbeiten. Hier am besten im Verhältnis 1:3 (also ein Teil Mandel zu drei Teilen Buchweizen). Kennen Sie sich richtig gut mit glutenfreien Produkten aus, dann können Sie auch Ihre eigene Mehlmischung zusammenstellen, z.B. aus Maniokmehl, Mandelmehl, Kartoffelstärke und Flohsamenschalenpulver. Wollen Sie zu diesem Thema noch mehr wissen? Dann empfehlen wir Ihnen unseren Beitrag zum glutenfreien Backen!

Auf einem Backblech liegen noch ungebackene helle Kekse, die weihnachtlich geprägt sind

Foto: © Karolina Ostrzolek, Lizenz: Creative Commons CC0 1.0, Quelle: pexels.com

Für die Zubereitung von Spekulatiuskeksen braucht es nicht immer professionelle Modeln.

Eigene Spekulatius backen – so gelingt es

Die Zubereitung des Teiges ist gar nicht weiter schwer, da es sich um einen klassischen Mürbeteig handelt. Das Knifflige ist, den Keksen die typische Reliefprägung zu verleihen, ohne die speziellen Formen zur Hand zu haben. Doch dafür haben wir einen Tipp für Sie!

Zubereitung:

  1. Mischen Sie alle trockenen Zutaten (Mehl, Zucker, Salz, Backpulver und die Gewürze) mit einem Esslöffel in einer Schüssel gut durch.
  2. Geben Sie dann 50 ml der Milch sowie die Butter (bzw. die veganen Alternativen) hinzu und verkneten alles entweder per Hand oder mit der Küchenmaschine zu einem glatten Teig.
  3. Wickeln Sie den Teig dann in Folie oder legen Sie ihn in eine ausreichend große Schüssel, die dann mit einer Untertasse abgedeckt werden kann. Danach den Teig so für ca. 1 Stunde kalt stellen.
  4. Heizen Sie den Backofen auf 200°C Ober/Unterhitze bzw. 180°C Umluft vor.
  5. Legen Sie dann ein Backblech mit Backpapier aus und verteilen darauf die gehobelten Mandeln.
  6. Nehmen Sie den Teig aus dem Kühlschrank und rollen ihn auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche sorgsam aus (ca. 3 mm dick).
  7. Schneiden Sie ihn dann in gleichgroße Rechtecke. Dafür können Sie z.B. ein Lineal und einen Pizzaschneider verwenden.
  8. Nehmen Sie nun einige weihnachtliche Plätzchenausstecher zur Hand und prägen Sie damit vorsichtig und nur leicht die Kekse. Dafür eignen sich vor allem kleinere Motive als wiederholendes Muster oder ein größeres als Hingucker.
  9. Heben Sie die Teig-Rechtecke dann vorsichtig mit dem Messer oder einem Tortenheber auf das Blech mit den Mandeln.
  10. Bestreichen Sie die Kekse dann mit der restlichen Milch.
  11. Lassen Sie die Spekulatius ca. 8-12 min backen. Schauen Sie unbedingt aufmerksam hin, da die dünnen Platten schnell verbrennen können.
  12. Entfernen Sie dann nach dem Auskühlen vorsichtig überstehende Mandelblättchen vom Rand.

Fertig sind die Spekulatiuskekse. Bewahren Sie die leckeren Gebäcke am besten luftdicht in einer Dose auf, damit sie möglichst lange knackig bleiben. Die kleinen Platten lassen sich aber auch zu kleinen Keksstapeln türmen und mit Baker’s Twine zu kleinen Geschenken verschnüren, über die sich bestimmt jeder freut!

Quellen
www.wikipedia.org/wiki/Spekulatius
www.weihnachtszeit.net/…/spekulatius/
www.augsburger-allgemeine.de/…/Was-bedeuten-die-Motive-auf-dem-Spekulatius-id43532526.html
www.speisekarte.de/…/was-ist-eigentlich-spekulatius/
www.einfachbacken.de/…/spekulatius-einfach-selber-machen
www.cakeinvasion.de/…/spekulatius-vegan/
www.weglasserei.de/glutenfreie-spekulatius/

Keine Kommentare zu “Von Mühlen und dem heiligen Nikolaus: Spekulatius-Kekse”

Die Kommentarfunktion wurde geschlossen.