Früchtebrot kennen Sie nur zur Weihnachtszeit? Dann verpassen Sie etwas. Denn der herrlich saftig-süße Geschmack ist das ganze Jahr über ein Genuss! Lesen Sie in diesem Blogbeitrag mehr zur Geschichte und Herstellung des zuckrigen Brotes. Denn vom Birnenbrot als Verlobungsbrauch bis zum Pausensnack hat sich viel getan.

Früchtebrot – Geschichte und Tradition des süßen Birnenbrotes

Einfach gesagt ist dieses süße Gebäck ein einfacher Weizen-Brotteig in den eingeweichte Trockenfrüchte und Nüsse eingearbeitet werden. Der Grund dafür ist die hohe Haltbarkeit, die die der Zuckergehalt der Obsts verspricht. Darunter waren anfangs vor allem regional verfügbare Birnen, die nach der Ernte haltbar gemacht werden sollten. Verspeist wurde das Früchtebrot dann am Heiligen Abend nach der Christmette (einem gesungenen Stundengebet in christlichen Kirchen am Abend des 24. Dezember). Dazu gab es außerdem meist ein kleines Glas hochprozentigen Fruchtschnaps, auch Obstler genannt.

Vor allem im oberen Allgäu war und ist diese Weihnachtstradition verbreitet. Und auch die Bediensteten und Tiere bekamen ein Stück dieses saftigen Brotes, was Glück und reiche Erträge bescheren sollte. Und die Kinder ärmerer Leute erhielten zum Dank etwas davon, wenn sie vor den Häusern der wohlhabenderen Bauern sangen. Gebacken wurde es übrigens bereits Ende November, genauer gesagt ab dem 30. zum Andreastag. Und auch zum Nikolaustag, dem 6. Dezember, war das Früchtebrot ein willkommener Festtagsschmaus.

Zudem ist ein alter Verlobungsbrauch bekannt bei dem heiratsfähige Frauen ihrem Verehrer mit einem glatt geschnittenen Endstück Früchtebrot ihre Zuneigung signalisierten. Hingegen bedeutete eine raue Schnittkante das Ende der Liebschaft. Auch aus dem Kinderbuch “Die kleine Raupe Nimmersatt” und dem Roman “Der Zauberberg” ist das saftige Brot mit Birnen bekannt. Die Birnen geben dem Früchtebrot außerdem die regional variierenden Namen Bierewecke, Birnbrot, Birnweggen, Hutzenbrot, Hutzelbrot, Kletzenbrot, Schnitzbrot oder Zelten.

Das klassische Früchtebrot: So wurde es gemacht

Der Brauch das Früchtebrot zu Weihnachten zu naschen, hat sich gehalten – schließlich ist es ein himmlischer Genuss. Und so lassen sich auch noch Wochen nach der Ernte die saftigen Obstsorten im Teig genießen. Damit auch Sie eines dieser köstlichen, süßen Brote genießen können, verraten wir, was in den traditionellen Teig kommt und wie Sie ihn backen.

Die traditionellen Früchtebrot-Zutaten

Was steckt nun genau in den kleinen, länglichen Laiben? Dafür gibt es leider kein eindeutig belegbares Originalrezept, vielmehr hatte jede Hausfrau und jeder Bäcker einen gut gehüteten Familienbrauch. Dieser wurde teilweise über Generationen bis heute weitergegeben und verfeinert. In einigen Zutaten gleichen sich aber doch viele. Darunter sind:

  • Brotteig (meist simples Weizenbrot, aber auch andere Varianten möglich)
  • Trockenobst (Birnen, Pflaumen, Feigen, Sultaninen)
  • Nüsse (Haselnüsse, Mandeln)
  • Gewürze (Anis, Fenchel, Ingwer, Kardamom, Koriander, Macis bzw. Muskatblüte, Muskatnuss, Nelken, Piment, Sternanis, Zimt)

Beim Anschneiden eines solchen Brotes sind die Früchte und Nüsse gut sichtbar, da diese oft im Ganzen hinzugegeben werden. Sie sind auch jene Zutaten, die dem Brot seine Süße verleihen. Erst in den letzten Jahrzehnten wurde hier immer häufiger mit immer exotischeren Früchten sowie Zucker und Honig gearbeitet. Auch Orangeat und Zitronat kamen erst wesentlich später mit zunehmendem Import dazu. Wie Sie diese natürliche Süße zur Geltung bringen, haben wir für Sie in unserem Blogbeitrag zum Backen ohne Zucker erklärt.

So kommt das süße Obst in den Brotteig

Um ein Früchtebrot selbst herzustellen, benötigen Sie erst einmal einen Grundteig. Das kann jeder beliebige Brotteig sein, meist handelt es sich jedoch um einfaches Weizenbrot. Dann sollten Sie zunächst das ausgewählte Trockenobst einen Tag lang oder über Nacht in Wasser eingeweicht. Dadurch wird es nicht nur schön saftig, sondern auch der Zucker wird gelöst. Das Einweichwasser (auch Hutzel- oder Kletzerbrühe genannt) bildet zusammen mit den nun weichen Früchten die Basis des Teigs. Werden sie in den gewählten Brotteig eingeknetet, verteilt sich die Süße gleichmäßig im gesamten Brot.

Besonders pfiffig: lassen Sie das Obst nach dem Einweichen nochmals über Nacht in Rum ziehen und geben Sie etwas Backkakao in den Teig, um Ihrem Brot das i-Tüpfelchen zu verleihen. Nun können Sie den festen Frucht-Brot-Teig nach Belieben mit Gewürzen verfeinern und kleine (um die 500 Gramm wiegende), längliche Laibe formen. Zudem schwören manche Bäcker auf eine dünne Schicht Hefeteig als Hülle für das Früchtebrot, damit das äußere Obst nicht verbrennt. Jedoch nimmt dies dem Traditionsbrot auch sein rustikales Aussehen. Gebacken wird es bei maximal 140 Grad für etwa eine Stunde.

Dieses schonende Garen sorgt dafür, dass der hohe Zuckergehalt nicht verbrennt. Auch das Backen in einer Kasten- oder Springform ist möglich. Jedoch sollte dann der Teig mindestens eine Stunde gehen dürfen, bevor er in den Ofen kommt.

Saftiges Früchtebrot schmeckt das ganze Jahr!

Je nach Zucker- und Wassergehalt ist das fertig gebackene Früchtebrot mindestens zwei Wochen, aber auch bis zu mehrere Monate haltbar. Am besten funktioniert das, wenn Sie diese dazu in Backpapier eingewickelt an einem kühlen und trockenen Ort lagern. Und am besten schmecken sie unserer Meinung nach sowieso erst, nachdem sie ein paar Tage durchziehen konnten, wie es auch beim entfernten Verwandten – dem Stollen – der Fall ist.

Doch wozu serviert man das süße Gebäck nun? Am bekanntesten ist wohl eine dick geschnittene Scheibe Früchtebrot mit einer hauchdünnen Schicht Butter darauf und dazu eine Tasse heißer, herber Tee oder Kaffee. So kommt das volle Aroma der süßen Früchte am besten zur Geltung. Schon eine kleine Portion ist dabei meist äußerst sättigend. Das macht es auch zu einem hervorragenden Snack auf Arbeit, in der Schule oder als Fitnessriegel-Alternative beim Sport. Denn es braucht keine Beilagen, hält lange satt und kann ganz nach Belieben mit den Früchten und Nüssen Ihrer Wahl gebacken werden.

Übrigens: Traditionelles Früchtebrot ist seit jeher vegan sowie laktosefrei und kann durch Verwendung eines glutenfreien Grundteiges auch von Menschen mit Zöliakie genossen werden. Verfeinern Sie doch einmal Ihr Lieblingsbrot mit Trockenobst und Nüssen oder fragen Sie in Ihrer Lieblings-Bäckerei nach diesem Traditionsbrot. Denn es ist nicht nur eine leckere Alternative zu Stollen, sondern ist auch das ganze Jahr über eine sättigende Nascherei. Und wenn Sie komplett auf den Brotteig verzichten möchten, geben Sie einfach alle Zutaten in einen Zerkleinerer und zaubern Sie Energy Balls nach unserer Anleitung daraus.

Quellen:

www.lebensmittel-warenkunde.de/…/fruechtebrot.html
www.weihnachten.one/…/birnenbrot.html
www.swp.de/…/hutzelbrot.html
www.travelcontinent.at/fruechtebrot-vegan-gesund-und-saftig